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The More Things Change…

The More Things Change…

Ja, alles um uns herum ist ständig im Wandel. Einige Grundregeln bleiben trotzdem gleich.

 Ich habe mich im Vorfeld der aktuellen Social Media Week #13 (http://socialmediaweek.org, 23.-27. September 2013) gefragt, ob ich ein Vortragsthema habe, das auf die SMW passt, das Selbstführung und Personalführung in einen Kontext bringt mit den Themen des Social Web. Und irgendwie lag das Thema ganz schnell auf der Hand. Denn die Debatte, die mir im Bezug auf die sozialen Netzwerke am häufigsten begegnet, lautet: Unternehmen entwickeln kein Verständnis für den Dialog und die Interaktion mit dem Kunden. Und die Debatte, die mir am häufigsten begegnet, wenn es um die Unternehmens- und Menschenführung geht? Dreimal dürfen Sie raten: Unternehmen entwickeln kein Verständnis für den Dialog und die Interaktion mit den Mitarbeitern.

Ich bin der Meinung, dass zur Lösung der externen Kommunikation die gleichen Einsichten und Kompetenzen benötigt werden wie für die interne Lösung. Und dass ein Unternehmen, das sich im Inneren nicht klar und offen aufstellt, es nach außen auch nicht hinbekommt. Das ist dann unabhängig davon, welche innovativen, interaktiven Kommunikationskanäle sich etablieren. Es wird nur immer offensichtlicher mit der Zeit und mit der zunehmenden Transparenz, die durch neue Medien entsteht.

Nun erreichen genügend Unternehmen ausreichend gute Ergebnisse, obwohl es im Innen und im Außen große Optimierungsmöglichkeiten gibt. So dass nur wenige die Optimierung als notwendigen Bedarf einschätzen. Sie konzentrieren sich auf das Verwalten und Reagieren, anstatt ins Gestalten zu kommen. Sie versuchen ihr Business, so wie es heute existiert, zu bewahren. Sie schauen nicht auf die Chancen und Potentiale, mit denen morgen das Geschäft bestimmt werden kann. Als Beispiel können die Branchen dienen, deren Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung bedroht oder sogar ausgelöscht wurden: Fotografie, Musik, Verlage, Einzelhandel. Selbst ein Gigant wie Nokia lässt sich auf dem eigenen zukunftsträchtigen Territorium an den Rand drängen.

Ein Kommunikations-Trainer erklärte mir einmal, dass er in seiner Piloten-Ausbildung gelernt habe, gedanklich immer vor dem Flugzeug zu fliegen. Da es beim Fliegen in vielen Situationen keine ausreichenden Handlungsmöglichkeiten mehr gibt, wenn die Situation erstmal eingetreten ist, sei dieses Vorausfliegen besonders wichtig. Nur extrem selten gelingt dann noch die Rettung, wie Chesley B. Sullenbergers Notlandung auf dem Hudson River.

Für die Unternehmensführung gelten meiner Ansicht nach ähnliche Prinzipien. Ich stelle mir die Führung von Karstadt oder Anton Schlecker vor, wie sie wie wild am Steuerknüppel herum hantieren, bis die Maschine komplett zerstört und alle Insassen verloren sind. Weil sie nicht vor ihrem Unternehmen geflogen sind. Mit dem Vorausfliegen vor dem Unternehmen spreche ich zwei Themen an, die auf den ersten Blick nicht zusammenhängen: die Innovationsfähigkeit und die Menschenführung. Und doch geht eines nicht gut ohne das andere. Da das Unternehmen anders als ein Flugzeug keine Autopilot-Funktion hat, ist es zwingend notwendig, dass die gesamte Crew und die gesamte Technik des Flugzeugs/Unternehmens auch in ohne die ständige Einflussnahme des Kapitäns reibungslos funktioniert. Denn er fliegt ja vor dem Flugzeug. Das bedeutet, dass allen Mitarbeitern die Vision und das Ziel des Unternehmens ganz transparent und nachvollziehbar vermittelt wurde, und dass sie darüber im Klaren sind, was Ihr eigenverantwortlicher Anteil an der Erreichung dieses Ziels ist. Neue Visionen kann eine Unternehmensführung m.E. dann am Besten entwickeln, wenn intern offen, souverän und integer geführt wird.

Und von dem Punkt aus ist offener, souveräner und integrer Umgang mit dem Kunden (ob nun im Social Web oder in der Print-Anzeige oder im Laden) fast ein Selbstgänger. Um an diesem Punkt anzukommen, ist es für viele noch ein weiter Weg. Das war schon so, als Werbung noch Reklame hieß. Und das wird noch so sein, wenn auf der Social Media Week #37 die krassesten, mehrkanaligen, multi-involvement-provzoierenden Trends des Web 8.3 diskutiert werden. The more things change – the more they stay the same.

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